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Harnleitersteine

Der übergreifende medizinische Fachbegriff für Harnsteinleiden ist Urolithiasis; Harnleitersteine werden speziell als Ureterolithiasis bezeichnet.

5 bis 15 % der Bevölkerung bekommen einmal oder mehrfach in ihrem Leben Harnsteine, mit wachsender Tendenz, was auf ungünstige Ernährungs- und Lebensgewohnheiten zurückgeführt wird. Männer sind doppelt so häufig betroffen wie Frauen. Bei ausbleibender Vorbeugung liegt das Risiko des Wiederauftretens der Steine bei 50 %.

Harnleitersteine sind in den allermeisten Fällen Nierensteine, die in den Harnleiter gewandert sind und dort feststecken. Da Nierensteine meist keine merklichen Symptome hervorrufen und sich erst dann bemerkbar machen, wenn sie Harnleitersteine geworden sind, wird die Bezeichnung Nierensteine oft fälschlich für Steine benutzt, die eigentlich Harnleitersteine sind.

Harnleitersteine blockieren den Urinfluss durch den Harnleiter teilweise oder sogar ganz und werden dadurch zur Ursache akut einsetzender, starker bis stärkster Schmerzen, die unter der Bezeichnung Nierenkolik bekannt sind.

Die Schmerzen resultieren einerseits aus der „stromaufwärts“ in Harnleiter und Niere entstehenden Druckerhöhung (diese trägt eine dumpfe, stetige Komponente bei), andererseits aus unwillkürlichen pulsierenden Bewegungen der Harnleitermuskulatur, die den festsitzenden Stein weiterbefördern sollen (die anfallsweise auftretende, stechende Komponente).

Eine Kolik-Episode dauert, sofern der Stein nicht vorher abgeht, etwa 18 Stunden. Sie wird durch einen erträglicheren Schmerz, manchmal auch Schmerzfreiheit abgelöst. Steckt der Stein immer noch fest, können jedoch jederzeit weitere Koliken auftreten.

Kolikschmerzen, fast stets kombiniert mit Blut im Urin (Hämaturie), sind ein sehr deutliches Zeichen für Harnleitersteine; eine ganz eindeutige Diagnose kann jedoch nur mit einem bildgebenden Verfahren (Ultraschall, Röntgen, CT) gestellt werden.

Die Behandlung von Harnleitersteinen hängt von ihrer Größe ab. Bei Steinen mit unter 5 Millimeter Durchmesser ist ein spontaner Abgang im Laufe von circa vier Wochen sehr wahrscheinlich. Tritt kein Harnstau auf, zeigt die Niere keine Anzeichen für eine bakterielle Infektion (Harnleitersteine erhöhen das Risiko von Harnwegsinfekten) und lässt sich der Schmerz mit Medikamenten beherrschen, wird in der Regel auf den Spontanabgang des Steins gewartet.

Unterstützend werden in dieser Zeit Schmerzmedikamente zur Beherrschung chronischer Schmerzen und zur Vorbeugung weiterer Koliken gegeben. Mittel der Wahl sind teils auch zusätzlich krampflösend und antientzündlich wirkende Nichtopioid-Analgetika.

Blockiert der Stein den Harnleiter derart, dass sich Urin in der Niere staut, muss dringend eine Harnableitung erfolgen. Das geschieht in der Regel durch Einsetzen eines dünnen Katheterröhrchens (einer sogenannten Harnleiterschiene oder DJ-Schiene) in den Harnleiter, welches die Passage des Urins am Stein vorbei ermöglicht. Im Folgenden ist gewöhnlich eine Steinentfernung oder -zertrümmerung nötig.

Die Steinzertrümmerung erfolgt von außen mit der extrakorporalen Stoßwellenlithotripsie (ESWL), die Trümmer müssen mit dem Urin ausgeschieden werden. Bei großen Steinen ist die Entfernung in einem endoskopischen Eingriff über Harnröhre und Blase (Ureterorenoskopie) manchmal erfolgversprechender. In diesem Eingriff wird der Stein zerkleinert, und die Stücke werden mit einer Art Körbchen herausgefischt.

Als urologische Fachärzte sind Dr. Armbruster und Dr. Gärtner mit der Diagnostik, Entfernung und Vorbeugung von Harnleitersteinen umfassend vertraut.

Häufig gestellte Fragen zu Harnleitersteinen

Harnleitersteine sind fast immer Nierensteine, die mit dem Urin aus der Niere in den Harnleiter gespült wurden und dort an einer Engstelle feststecken.

Nierensteine entstehen durch Auskristallisieren von im Urin gelösten Stoffen. Über 80 % aller Harnsteine bestehen aus Calciumoxalat, 5 % aus Calciumphosphat und 13 % aus Harnsäuresalzen.

Calcium, Oxalsäure, Harnsäure und andere steinbildende Stoffe sind im Prinzip normale Bestandteile des in der Niere gebildeten Urins. Steine entstehen, wenn der Urin mehr davon enthält, als er lösen kann. Das kann entweder daran liegen, dass die Konzentrationen dieser Stoffe im Urin ungewöhnlich hoch sind, oder dass die Fähigkeit des Urins, diese Stoffe zu lösen, herabgesetzt ist (z.B. aufgrund von pH-Veränderungen).

Eine Urinzusammensetzung, die die Bildung von Nierensteinen fördert, resultiert meist aus einer Kombination von genetischer Veranlagung (bestimmte Stoffwechselbesonderheiten), zu kleiner Trinkmenge und ungünstiger, in der Regel zu eiweißreicher Ernährung.

Zunächst werden winzige feste Kristalle aus dem Urin abgeschieden, deren Vorhandensein (als sogenannter Kristallisationskeim) wiederum die weitere Auskristallisierung begünstigt. Auf diese Weise können Steine entstehen, die im Extremfall mehrere Zentimeter groß sind.

Große Harnsteine verbleiben in der Niere, kleinere bewegen sich oft mit dem Urin in den Harnleiter. Typischerweise sind Harnleitersteine zwischen knapp 1 und 6 Millimeter groß. Noch kleinere Steine passieren den Harnleiter weitgehend ungehindert.

Harnleitersteine blockieren den Urinfluss durch den Harnleiter teilweise oder vollständig und verursachen dadurch die unter dem Begriff Nierenkolik bekannten starken Schmerzen. Nierenkolikschmerzen treten in der Regel einseitig auf der Körperseite der betroffenen Niere auf, strahlen aber so in alle Richtungen aus, dass ihr Ursprung in der Niere für Betroffene, die noch nie eine Nierenkolik erlebt haben, nicht zu erkennen ist.

Die meisten Patienten berichten von einem dumpfen Grundschmerz, der von Anfällen stechender, extrem starker Schmerzen punktiert wird. Die Kolikschmerzen sind mitunter von Übelkeit und Erbrechen begleitet. Der Urin, sofern das Wasserlassen möglich ist, enthält meist Blutbeimengungen.

Bestimmte Formen von Harnsteinen lassen sich mit Medikamenten auflösen. Das gilt ausschließlich für Harnsäuresteine und die seltenen Cystinsteine, die zusammen die Ursache von etwa 14 % aller Harnsteinleiden sind.

Da sich Harnsäuresteine in saurem, harnsäurereichem Urin bilden, umfasst die sogenannte Chemolitholyse (chemische Steinauflösung) dieser Steine die Alkalisierung durch sogenannte Alkalizitrate oder Natriumhydrogenkarbonat plus Verringerung der Harnsäuregehalts des Urins durch Medikamente.

Die Auflösung eines Harnsteins klappt nicht von heute auf morgen: In der Regel müssen diese Medikamente über Wochen eingenommen werden, wobei der pH des Urins regelmäßig mit einem Teststreifen kontrolliert werden sollte.

Voraussetzung für eine solche Therapie ist einerseits – offensichtlich – die Identifizierung des Steins als Harnsäurestein, z.B. weil es gelungen ist, kleinere Kristalle im Urin aufzufangen und zu analysieren, oder weil eine Neigung zu Harnsäuresteinen bekannt ist.

Andererseits müssen die durch den Stein verursachten Beschwerden im Rahmen bleiben: Die Schmerzen sollten sich mit moderat dosierten Schmerzmitteln und muskelrelaxierenden Medikamenten gut kontrollieren lassen, und es dürfen keine Anzeichen von Harnstau und Niereninfektionen auftreten.

Harnleitersteine, also Harnsteine, die im Harnleiter festhängen, verursachen stets akute Schmerzen. Diese Schmerzen können relativ schnell vorüber sein, wenn der Stein stetig von Engstelle zu Engstelle durch den Harnleiter rutscht und schließlich glücklich die Harnblase erreicht.

Geht das schnell, bemerken Sie vielleicht nur ein paar heftige Stiche in der Flanke, die Sie gar nicht zuordnen können. Ist der Harnstein so winzig, dass er den Harnleiter ohne Stocken passieren kann, verursacht er natürlich keine Schmerzen – dann kann aber auch nicht von einem Harnleiterstein die Rede sein.

Eine akute, durch einen Harnleiterstein ausgelöste Nierenkolik geht auch, wenn der Stein nicht abgegangen ist, nach etwa 18 Stunden in eine weniger schmerzhafte, eventuell sogar schmerzfreie Phase über. Das liegt daran, dass der Harnleiter die Bewegungen einstellt, mit denen er zuvor versucht hat, den Stein weiterzuschieben.

Haben Sie es geschafft, diese 18 Stunden zu überstehen, ohne ärztliche Hilfe zu suchen, können Sie in der Tat Harnleitersteine ohne Schmerzen haben. Der Stein wird mit einiger Wahrscheinlichkeit im Laufe weniger Wochen ausgeschieden, weitere Kolikanfälle können währenddessen auftreten. Es kann aber auch zu einer chronischen Nierenstauung kommen, bei der der Funktionsverlust der Niere als Folge eintritt, wenn der Zustand nicht behandelt wird.

Bei einer Nierenkolik einen Arzt aufzusuchen empfiehlt sich also nicht nur wegen der akuten Schmerzen: Es muss unbedingt abgeklärt werden, ob der Harnleiterstein Harnstau verursacht – wenn in solchen Fällen nicht therapeutisch interveniert wird, drohen Nierenschäden.

Der spontane Abgang vorhandener Harnleitersteine kann medikamentös durch geeignete Schmerzmittel und muskelrelaxierende Medikamente sowie durch Bewegung erleichtert werden.

Einen besonders guten Erfolg könnten diesbezüglich übrigens Achterbahnfahrten haben – dazu gibt es eine seriöse medizinische Fachveröffentlichung: https://jaoa.org/article.aspx?articleid=2557373

Harnsäure- und Cystinsteine können durch Medikamente aufgelöst werden. Bei anderen Harnsteinen funktioniert das nicht – jedenfalls nicht in eine sinnvollen Zeitrahmen. Hier ist die einzige Alternative zum Warten auf den Spontanabgang ein Eingriff zur Zertrümmerung/Entfernung des Steins.

Sind einmal Harnsteine aufgetreten, ist das Risiko erneuter Steinbildung sehr hoch, und vorbeugende Maßnahmen sollten ergriffen werden. In erster Linie sind das die Steigerung der Trinkmenge auf 2,5 bis 3 Liter täglich und eine ausgewogene Ernährung mit einem hohen Anteil pflanzlicher Lebensmittel.

Die Kenntnis der genauen Steinzusammensetzung und zusätzliche metabolische Diagnostik (Blut- und Urinanalyse, Urin-pH-Tagesprofil, evtl. Bestimmung der Schilddrüsenhormone) legen weitere, spezifische vorbeugende Maßnahmen nahe. Dazu können bestimmte Diuretika, harnsäuresenkende Medikamente, Mittel, die die Lösungskapazität des Urins für bestimmte Stoffe erhöhen, Mittel zur Kontrolle des Urin-pHs und spezielle Ernährungshinweise gehören.

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