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Harnröhrenverengung

Eine Harnröhrenverengung (auch als Harnröhrenstriktur bzw. Urethrastriktur bezeichnet) entsteht in der Regel infolge von Verletzungen oder Entzündungen der Harnröhrenschleimhaut, die unter Bildung von Narbengewebe abgeheilt sind. Dieses Narbengewebe neigt dazu, zu wachsen und sich langsam in der Harnröhre auszubreiten: Die Erkrankung ist leider häufig progredient.

Die meisten Harnröhrenverengungen treten bei Männern auf (etwa 0,9 % der männlichen Bevölkerung sind betroffen), bei Frauen ist die Erkrankung selten, aber nicht ausgeschlossen.

Harnröhrenverengungen verursachen Symptome beim Wasserlassen: Der Urinstrahl ist dünn und schwach, das Urinieren dauert ungewöhnlich lange, oft ist der Strahl auch aufgespalten und/oder es tritt ein nicht zu kontrollierendes Nachtröpfeln auf.

Dazu kommt häufig das Gefühl, die Blase nicht ganz entleeren zu können, und Beschwerden, die sich aus dem in der Blase verbleibenden Restharn ergeben: In erster Linie sind das häufigerer Harndrang, Verschlechterung der Blasenfunktionalität, Neigung zu Harnwegsinfekten, eventuell Blasensteine. Im fortgeschrittenen Stadium kann infolge des Urinrückstaus die Niere geschädigt werden. Der Extremfall der Harnröhrenverengung ist kompletter Harnverhalt: ein medizinischer Notfall.

Die Schwere des Befunds kann mit einer Uroflowmetrie (Harnstrahlmessung), mit Kontrastmittel-Röntgenaufnahmen und/oder einer Harnröhrenspiegelung beurteilt werden. Auf diese Wege erfolgt auch die diagnostische Unterscheidung von Blasenschwäche, gutartiger Prostatavergrößerung und anderen Erkrankungen mit vergleichbaren Symptomen.

Eine Behandlung der Harnröhrenverengung ist in der Regel unvermeidlich. Häufig wird eine neu diagnostizierte Striktur mit einer Harnröhrenschlitzung behandelt: Dafür wird ein Endoskop bis zur Engstelle in die Harnröhre geschoben und das Narbengewebe mit einem durch das Endoskop eingeführten winzigen Skalpell längs eingeschnitten, so dass sich der Harnröhrenquerschnitt weitet.

Das Problem dieses Verfahrens: Die Wahrscheinlichkeit, dass nach mehreren Monaten eine erneute Harnröhrenstriktur auftritt, liegt nach der ersten Schlitzung bei etwa 70 %, nach der zweiten Schlitzung bei nahezu 100 %. Das liegt daran, dass aus der Schnittwunde beim Verheilen neues Narbengewebe entsteht, das sehr wahrscheinlich sogar mehr Raum einnimmt als das ursprünglich vorhandene.

Wiederholte Harnröhrenschlitzungen sind möglich, führen aber längerfristig fast sicher zur fortschreitenden Verschlimmerung des Befundes. Die Erfolgsaussichten einer Harnröhrenschlitzung hängen allerdings auch davon ab, wo genau sich die Verengung befindet: Je weiter „stromabwärts“ von der Blase die Striktur liegt, desto wahrscheinlicher ist ein Rückfall.

Die Behandlung einer Harnröhrenverengung muss daher gut abgewogen werden. Bei Wiederauftreten von Harnröhrenengen kann eine umfangreichere Harnröhrenplastik durchgeführt werden.

Bei einer Harnröhrenplastik wird die vernarbte Harnröhrenschleimhaut in ihrer gesamten Ausdehnung durch ein gesundes Schleimhauttransplantat ersetzt - diese Schleimhaut wird im Allgemeinen im Mund oder der Vorhaut entnommen. Die Aussichten, dass eine Harnröhrenplastik die Harnröhrenverengung langfristig kuriert, sind wesentlich besser; die Rückfallquote beträgt weniger als 20 %.

Kurze Verengungen lassen sich auch durch eine sogenannte End-zu-End-Anastomose behandeln: Dabei wird das vernarbte Stück aus der Harnröhre herausgeschnitten, und die beiden freien Enden werden wieder verbunden.

Als urologische Fachärzte sind Dr. Armbruster und Dr. Gärtner mit der Diagnostik und Behandlung von Harnröhrenverengungen umfassend vertraut.

Häufig gestellte Fragen zur Harnröhrenverengung

Typische Symptome einer Harnröhrenverengung sind ein dünner, schwacher, eventuell gespaltener Harnstrahl, eine verlängerte Miktionszeit (Gesamtzeit, die zum Wasserlassen benötigt wird) und Nachträufeln des Urins.

Die Geschwindigkeit, in der beim Wasserlassen Urin abgegeben wird, lässt sich mit einer Harnstrahlmessung (Uroflowmetrie) ermitteln. Normalerweise zeigt die Flussgeschwindigkeit einen glockenförmigen Verlauf: Der Urinfluss nimmt im ersten Drittel der Miktionszeit kontinuierlich zu und dann kontinuierlich wieder ab.

Normale maximale Flussgeschwindigkeiten betragen mindestens 15 Milliliter pro Sekunde. Demgegenüber fehlt dem Profil der Urinflussgeschwindigkeit bei Harnröhrenverengungen die Glockenform – es bleibt praktisch flach, und es werden Flussgeschwindigkeiten von weniger als 10 Milliliter pro Sekunde erreicht.

Die Symptome einer Harnröhrenverengung sind häufig progredient, das heißt, sie werden mit der Zeit immer ausgeprägter. Im fortgeschrittenen Stadium kann die Blase nicht mehr vollständig entleert werden, und nach dem Wasserlassen setzt bald wieder Harndrang ein.

Als Komplikationen des Restharns in der Blase können dann häufige Harnwegsinfektionen und eine Schwächung der Blasenmuskulatur auftreten. Extremfolge einer unbehandelten, progredienten Harnröhrenstriktur ist kompletter Harnverhalt mit schweren Folgen für die Niere.

In seltenen Fällen ist eine Harnröhrenverengung angeboren – dann wird sie aber in der Regel auch bereits im Kindesalter diagnostiziert. Dass eine angeborene Harnröhrenverengung erst in späteren Lebensjahren Probleme bereitet, ist sehr unwahrscheinlich. (Mitunter kann allerdings die operative Korrektur einer angeborenen Harnröhrenverengung ironischerweise später zur Ursache einer erworbenen Harnröhrenverengung werden.)

Harnröhrenverengungen bei Erwachsenen sind im Allgemeinen das Resultat von abgeheilten Verletzungen oder Entzündungen der Harnröhrenschleimhaut. Diese haben zur Bildung von Narbengewebe geführt, das nun den Querschnitt der Harnröhre einengt.

Etwa 30 % der Harnröhrenverengungen sind infolge unfallbedingter Verletzungen entstanden. Dazu gehören Beckenbrüche, aber auch Quetschungen im Bereich von Damm und Geschlechtsorganen. Macht sich die Striktur bemerkbar, ist der ursächliche Unfall manchmal längst vergessen.

Historisch standen Harnröhrenverengungen typischerweise mit Entzündungen der Harnröhrenschleimhaut infolge bakterieller Infektionen durch sexuell übertragbare Erreger (Gonorrhoe, Chlamydien etc.) im Zusammenhang. Diese Ursache ist heute noch für etwa 20 % aller Harnröhrenstrikturen verantwortlich. Eine seltene Autoimmunerkrankung der Haut (Lichen sclerosus) verursacht etwa 5 % aller Strikturen.

Ja: Bei der sogenannte Bougierung (Harnröhrendehnung) wird die vernarbte Engstelle durch Einführen elastischer Kunststoffstäbe in die Harnröhre mechanisch aufgedehnt. Diese Behandlung kann ambulant vorgenommen werden, Patienten könnten sie prinzipiell sogar zu Hause durchführen.

Aber: Das Ergebnis einer Harnröhrenbougierung ist im Allgemeinen sehr kurzlebig, Verbesserungen halten kaum länger als einen Monat an. Der Eingriff müsste also in regelmäßigen Abständen immer wieder stattfinden – und die Behandlung führt fast zwangsläufig zu einer Verschlimmerung der Symptomatik. Das liegt daran, dass bei jeder Bougierung kleinste Verletzungen in dem problematischen Narbengewebe entstehen, die es zu schnellerem und weiter ausgedehntem Wachstum anregen.

Daher ist Striktur-Patienten, die gesund genug für eine Narkose sind, von der Bougierung eher abzuraten – ein operativer Eingriff wird früher oder später ohnehin nötig, und Bougierungen machen die Ausgangslage dafür nur komplizierter.

Die erfolgversprechendsten Verfahren zur Behandlung einer Harnröhrenstriktur sind heute die End-zu-End-Anastomose und die Harnröhrenplastik: offene Eingriffe, bei denen das narbige Schleimhautgewebe restlos entfernt wird .

Wie lange Sie für die operative Korrektur einer Harnröhrenverengung im Krankenhaus bleiben müssen, hängt vom durchzuführenden Eingriff ab.

  • Eine endoskopisch durchgeführte Harnröhrenschlitzung erfordert nur einen kurzen Krankenhausaufenthalt von meist ein bis zwei Tagen. Manche Urologen bieten sogar ambulante Eingriffe an.
  • Offene Eingriffe (Harnröhrenplastik, End-zu-end Anastomose) sind aufwändiger und ziehen einen Krankenhausaufenthalt von mindestens fünf Tagen nach sich.

Nach diesen Eingriffen wird für die Heilungsphase ein Dauerkatheter mit Urinbeutel gelegt, um die Harnleiterschleimhaut zu entlasten. Nach einer Harnröhrenschlitzung verbleibt dieser Katheter für wenige Tage in der Harnröhre, nach einer Harnröhrenplastik für ein bis zwei Wochen.

Wie nach jedem invasiven Eingriff treten auch nach chirurgischen Eingriffen zur Behandlung von Harnröhrenstrikturen postoperativ Schmerzen auf. Das ist während der Heilungsphase zu erwarten und lässt sich mit geeigneten Schmerzmitteln kontrollieren.

Viele Patienten, bei denen einen Mundschleimhaut-Harnröhrenplastik durchgeführt wurde, beschreiben übrigens die postoperativen Schmerzen im Mund als unangenehmer als die im Dammbereich, wo der Einschnitt für den offenen Eingriff gemacht wird.

Nach Harnröhrenplastiken können leider auch längerfristige oder chronische Schmerzen auftreten. Die Fachliteratur berichtet über Schmerzen im Dammbereich und Schmerzen beim Orgasmus. Die entsprechenden Studien sind allerdings jeweils nur klein, daher sind Aussagen zur Häufigkeit dieser Komplikationen nicht sehr zuverlässig; oft findet man Angaben in der Größenordnung von 30 %. (Trotzdem waren in den zitierten Studien über 90 % der Patienten mit dem Ergebnis ihrer Harnröhrenplastik alles in allem sehr zufrieden.)

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